Interkulturelles: Tageszeiten

Bei der Arbeit in einem multikulturellen Umfeld stößt man immer wieder auf interessante kulturell bedingte Unterschiede. So kann zum Beispiel sogar eine alltägliche Zeitangabe wie „morgen Vormittag“ für Missverständnisse sorgen.

Selbst im deutschen Sprachraum sind wir uns nicht immer über die Dauer der jeweiligen Tageszeiten einig.

Aber gibt es eine festgelegte Dauer der Tageszeiten?

Nein. Die einen würden den Zeitraum von 10 Uhr bis kurz vor 12 Uhr als Vormittag definieren, die anderen vielleicht von 9:30 Uhr – 11:30 Uhr. Im englischen und französischen Sprachraum gibt es dagegen überhaupt keine Bezeichnung für den Vormittag – da sind Missverständnisse vorprogrammiert.

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Die einzelnen Tageszeiten werden in Anlehnung an Zwischenmahlzeiten gegliedert, die regional unterschiedlich ausgeprägt vorhanden sind oder zu verschiedenen Zeitpunkten stattfinden. Im englisch- und französischsprachigen Raum gehört der Vormittag zum Morgen, weil kein „zweites Frühstück“ üblich ist. Japan zum Beispiel gehört zu den Ländern, die Morgen und Mittag ebenfalls noch einmal unterteilen. Dort kann man die Bezeichnungen für Vormittag (午前 gozen) und Nachmittag (午後 gogo) verwenden, um zwischen Zeitangaben vor und nach zwölf Uhr zu unterscheiden – wie im Englischen mit a.m. und p.m.

Im deutschsprachigen Kulturraum wird der Tag üblicherweise in die Tageszeiten Nacht (mit Mitternacht), Morgen, Vormittag, Mittag, Nachmittag und Abend aufgeteilt. Mit diesen Abschnitten werden Zeiten verbunden, die sich aber leider zum Teil überschneiden.

  • Der Morgen ist der Tagesabschnitt zwischen Mitternacht und Mittag oder die Zeit von Sonnenaufgang bis Vormittag.
  • Der Vormittag liegt zwischen Morgen und Mittag. Eine genaue Bestimmung seiner Dauer gibt es nicht.
So war das aber nicht immer:
Interkulturelles_Vormittag_Mittag In der Antike war die Dauer der Tageszeiten exakt definiert. Man kannte damals auch schon eine Einteilung von Tag und Nacht in jeweils zwölf Temporalstunden, die allerdings ab Sonnenaufgang gerechnet wurden und deren Länge sich im Jahresverlauf je nach Jahreszeit änderte. Der Vormittag war das zweite Viertel des lichten Tages (= die Zeitspanne von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang) bzw. umfasste den Zeitraum vom Anfang der vierten bis zum Ende der sechsten Tagesstunde und endete mit der Mittagszeit.

Im alten Rom wurden die vier Tagesabschnitte, und somit auch Anfang und Ende des Vormittags (im Lateinischen ad meridiem), sogar von Amtsdienern der Konsuln öffentlich ausgerufen.

Im Mittelalter wurde die antike Tageseinteilung dann für die christlichen Gebetszeiten übernommen.

Mit der Erfindung der mechanischen Räderuhr im 14. Jahrhundert setzte sich langsam die moderne Tageseinteilung in zweimal zwölf unveränderliche Stunden durch, wenn auch zunächst ab Sonnenuntergang. War der Arbeitsablauf anfangs noch vom Tageslicht abhängig, verbreitete sich im 16. Jahrhundert bald die künstliche Beleuchtung in gewerblichen Berufen. Ein 14- bis 16-Stunden-Tag war damals keine Seltenheit, sondern eher die Norm. Im 17. Jahrhundert verbreiteten sich Standuhren und ab dem 18. Jahrhundert hatte fast jeder Haushalt eine einfache Uhr.

Die Tageszeiteinteilung war zudem an Arbeitsabläufe angepasst bzw. von ihnen abhängig. Der Tagesablauf der Bäcker beispielsweise hat sich sogar bis heute gehalten.

Im Zuge der Industrialisierung wurden die Tageszeiten dann endgültig an Uhrzeiten gebunden. 

Die Frühschicht begann in einigen frühindustriellen Gewerben um 4 Uhr morgens, darauf folgten eine mehrstündige Mittagspause (vergleichbar mit der Siesta) und eine weitere lange Spätschicht. Geregelte Arbeitszeiten begannen sich erst Mitte des 19. Jahrhunderts durchzusetzen, die dann schließlich die heute übliche Einteilung der Tageszeiten beeinflusste. Schließlich wurde im 18. Jahrhundert der Zeitraum von etwa 10:00 Uhr bis 12:00 Uhr als Definition des Vormittags angegeben.

Fragezeichen
  • Der Mittag ist eigentlich „der Zeitpunkt des Durchgangs der Sonnenmitte durch den Meridian eines Standorts auf der Erde.“ Im allgemeinen Sprachgebrauch ist damit allerdings meist der Zeitpunkt 12 Uhr bzw. ein kurzer Zeitraum vor und nach 12 Uhr gemeint; manchmal sogar bis 14 Uhr oder später. Besonders in heißen Gegenden umfasst dieser Zeitraum die Mittagsruhe oder Siesta. In den USA (noon) oder in Deutschland wird Mittag zudem als Synonym für 12 Uhr verwendet, z. B. bei Öffnungszeiten.
  • Als Nachmittag bezeichnet man die Tageszeit zwischen Mittag und Abend. In der Antike nannte man so das dritte Viertel des lichten Tages.

Abgeleitet von der Zwischenmahlzeit am Nachmittag gibt es in den deutschen Mundarten eine Vielzahl von Bezeichnungen für die Nachmittagszeit: z. B. Vesper, Jause und Kaffee- oder Teezeit. Einige Landstriche im deutschen Sprachraum dagegen kennen den Nachmittag kaum und dehnen stattdessen den Mittag bis in den Abend aus.

In den meisten Ländern bzw. Sprachen folgt auf den Nachmittag der Abend, während zum Beispiel im Japanischen noch eine zusätzliche Einteilung stattfindet: yūgata (jap. 夕方) nennt man den frühen Abend.

  • Der Abend ist der Tagesabschnitt zwischen Nachmittag und Mitternacht. Er beginnt offiziell mit dem eigentlichen Sonnenuntergang. Es kann also durchaus sein, dass der Abend im Winter schon um 16:30 Uhr beginnt und im Sommer erst gegen 21:30 Uhr. In der Praxis wird der Beginn des Abends in den meisten Ländern aber von der Uhrzeit abhängig gemacht. Eine genaue Definition gibt es auch in diesem Fall nicht.

Metaphorisch bezeichnet man das Ende von etwas ebenfalls als Abend: Feierabend, Lebensabend, Sonnabend.

  • Danach folgt nur noch die (Mitter-)Nacht. Hier muss man berücksichtigen, dass „tonight“ im Englischen nicht unbedingt spät nachts bedeutet. Wenn jemand „tonight“ etwas unternehmen möchte, kann damit auch einfach „heute Abend“ gemeint sein.
Zur Vermeidung von Missverständnissen geben wir intern deshalb einfach genaue Uhrzeiten an.

Im Umgang mit ausländischen Geschäftspartnern oder für den Start in ein Leben in einem anderen Land ist ein entsprechendes kulturelles Hintergrundwissen genauso wichtig wie Fremdsprachenkenntnisse. Damit vermeidet man nicht nur kulturelle Fettnäpfchen, indem man beispielsweise das Willkommensgeschenk eines japanischen Geschäftspartners in seiner Gegenwart öffnet, statt es beiseitezulegen, sondern signalisiert dem Gegenüber Respekt und Interesse und schafft somit eine positive Grundlage für länderübergreifende Geschäftsbeziehungen.

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